Zukunftsperspektiven einer Kulturpolitik in Deggendorf

Kultur bestimmt das ganze Leben. Denn Kultur ist im weitesten Sinne alles, was der Mensch selbst gestaltend hervorbringt. Im engeren Sinne ist das Literatur und Theater, das ist Musik mit Konzert, Oper, Jazzmusik und Volksmusik. Das ist bildende Kunst, Malerei und Architektur. Das sind Museen und Ausstellungen. Das ist der Trachtenverein, der Volkstanz, die Wirtshauskultur und in Bayern darf beispielsweise das vom Aussterben bedrohte Schafkopfspiel als Kulturgut auch nicht fehlen.

Zu diesem Thema hatten die Freien Wähler gestern zu einem Talk bei Höttl eingeladen. Ziel war es gemeinsam zu diskutieren, wie es mit der Kultur in diesem Sinne in Deggendorf steht. Eine gemeinsame Bestandsaufnahme und Ziele für die Kulturvernetzung, Kulturinfomation und Kulturförderung sollten gemacht werden.

Als Moderator konnte ich Vertreter vieler Kulturorganisationen in Deggendorf begrüßen, u.a. Thomas Bauer vom Kulturwald, die Leiterin der Stadtbibliothek Frau Jürgens, den Architektenstammtisch mit Bert Reiszky, Prof. Dr. Ernst Jürgens, Professor für das Design digitaler Medien von der Technischen Hochschule sowie Vertreter der CSU, der SPD und der Grünen und natürliche Kandidatinnen und Kandidaten der Freien Wähler für den Stadtrat. Vertreten waren auch der Kulturverein mit seinem Vorsitzenden Herrn Steiner und die Literaturfreunde mit Anton Halser sowie Christa Till und mit Gottfried Rösch der interkulturelle Verein Mostik.

Im voll besetzten Nebenzimmer referierte zunächst der Regisseur, Dozent sowie Stadtratskandidat der Freien Wähler, Peter Glotz und gab wichtige grundsätzliche Impulse zur Bedeutung von Kultur. Als Leitlinien für eine künftige Kulturpolitik in Deggendorf schlug er die folgenden 10 Punkte vor:

  • Kulturelle Vielfalt
  • Kontinuität der Angebote
  • Qualität der Angebote
  • Abbau von Defiziten
  • Positionierung durch klares Profil
  • Orientierung am „Mehrwert“ ( bei neuen Projekten)
  • Öffnung für alle Zielgruppen
  • Offenheit für dynamische Prozesse
  • Ausbau der bestehenden Angebote wie auch die Entwicklung neuer Konzepte.
  • Die zunehmende Bedeutung der Kultur als infrastruktureller Faktor ist dabei besonders zu berücksichtigen.

Der international als Bariton auftretende und in Deggendorf wohnende Thomas Bauer erläuterte seine Konzepte des Kulturwalds, sein Projekt in Blaibach im Bayerischen Wald und wies deutlich darauf hin, dass Niederbayern das Schlusslicht beim Abrufen von Fördergeldern des Kunstministeriums sei. Mangelnde Bereitschaft vorort entsprechende Projekte kommunal zu fördern, damit dann der Freistaat entsprechend aufstocken könne, machte er als Ursache dafür aus. Deutlich widersprochen wurde der Meinung von CSU-Stadträtin H. Löhnert, die besonders darauf hinwies, dass Kulturförderung keine Pflichtaufgabe der Stadt sei. Das sei zwar formal richtig, aber gute Kulturpolitik sei letzlich ein „harter“ Standortfaktor. Viele weitere Beiträge über Gelungenes (z.B. Museen in Deggendorf) und Verbesserungsfähiges (z.B. Vernetzung, Information) in der fast 1,5 Stunden dauernden Bestandsaufnahme folgten.

Ein Teilnehmer brachte es auf den Punkt: „Das war die richtige Veranstaltung zum richtigen Zeitpunkt.“

Als Ergebnis werden die Freien Wähler einen Runden Tisch zum Thema Kultur einrichten und das Thema aktiv weiter in der Stadt Deggendorf voranbringen.

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