Nachdem die Stadt Deggendorf es bis jetzt nicht geschafft hat, eine Liste mit den Kandidaten und ihren erzielten Ergebnissen ins Internet zu stellen (das muss man sich durch endloses Einzelklicken zusammenbasteln) als Service von mir die CSU-Kandidaten und -Kandidatinnen in der Reihenfolge ihrer Wahlergebnisse.
In der zweiten Spalte die erzielte Verbesserung oder Verschlechterung des von der Partei vorgegebenen Listenplatzes. Auffallend: Um 13 Plätze nach unten geschickt wurde Stadtrat und CSU-Ortsvorsitzender Hahn, um 10 Plätze Stadtrat Dr. Karmann, beide damit nicht mehr Stadtrat. Um 11 Plätze nach hinten wurde Fraktionsvorsitzender Zacher von den Wählern geschckt, nur dank seines guten Ausgangsplatzes – Nummer 4 – ist Zacher überhaupt noch im Stadtrat.
Den umgekehrten Trend haben die Handwerksmeister Schraufstetter -8, Peter Weinbeck (den hatte das Wahlkampfteam im CSU-Prospekt mit dem Namen seines Vaters Walter versehen!) – 15, Manfred Eiberweiser -16, Thomas Hartmann -10 zu verzeichnen. Damit ist das Handwerk und der Mittelstand wieder überproportional in der CSU-Fraktion vertreten. Hingegen ist für andere Bereiche seitens einer adäquaten Platzierung offensichtlich bei der CSU oder bei den tonangebenden dort zu wenig Bereitschaft vorhanden. Betroffen hiervon bin z.B. ich selbst. Ich habe mich um 5 Plätze verbessert, der Ausgangspunkt von Platz 30 war aber der Bedeutung der FH für die Stadt Deggendorf mit Sicherheit nicht angemessen. Ähnliches gilt für den CSU-Kreisvorsitzenden Antretter, der ein sehr gutes Ergebnis erzielt hat, aber für den der Ausgangspunkt 21 zu schlecht war. Anfang der 10er wäre angemessen gewesen, während mir vermutlich dieser Platz 21 schon gereicht hätte um sicher in den Stadtrat einzuziehen.
Dem Aufstellungsprozess der Hauptverantwortlichen (Stadtverbandsvorsitzende Eder und Fraktionsvorsitzender Zacher) kann durch das Wahlergebnis des dramatisch schlechten Abschneidens der CSU im Nachhinein nicht gerade Visionskraft nachgesagt werden.
In der dritten Spalte stehen die erzielten Stimmen der einzelnen Kandidaten. Als letzter wurde Thomas Hartmann mit 3918 Stimmen gewählt. Rudolf Mages hat diese Zahl nur um 33 Stimmen verfehlt (11 Wähler) und Dr. Karmann um 53 Stimmen (18 Wähler).
Von R. Hahn (erzielter Platz 20 mit 3653 Stimmen) bis Prof. Grabmeier (erzielter Platz 25 mit 3485 Stimmen) tummeln sich 6 Kandidaten (Dr. Deiml, Fink, Kagel, Tauscher) auf sehr engem Feld innerhalb einer Spanne von lediglich 168 Stimmen (56 Wähler). Mir fehlen 423 Stimmen (143 Wähler) zum Einzug in den Stadtrat.
Am interessantesten aber finde ich die vierte Spalte. Da habe ich ausgerechnet, wieviel Anteil eines Stadtratsmandats jeder der Bewerber mit den auf ihn entfallenen Stimmen erreicht hat. So hat der Spitzenreiter 2. Bürgermeister Volkmer 84 % eines Stadtratsmandats erzielt. Er brauchte die beispielsweise von Platz 40 Siegfried Wittenbauer erzielten 18 % um sein Mandat zu bekommen. Entsprechend kann man sich vorstellen, dass Christian Moser (80 %) mit den Stimmen von Platz Platz 39 Jürgen Stenglein (21 %) zu seinem Mandat kommt. Thomas Harmann als letzter gewählter Mandatsträger hat selbst 43 % eines Mandats erzielt, er brauchte also sogar zwei weitere Kandidaten um für ihn die 100 % vollzumachen. Meine 38 % könnte man beispielsweise mit den 64 % von Günther Pammer zu dessen Mandat verrechnen.
Natürlich sind das nur Gedankenspiele und jeder Gewählte ist ausschließlich seinem eigenen Gewissen verantwortlich. Dennoch wäre es schön, wenn künftig eine Lehre aus dem Ergebnis gezogen wird – und das wurde mir in vielen Kontakten immer wieder im Wahlkampf gesagt: Die CSU-Fraktion erscheint den Bürgern als monolitischer Block geführt von einem engen Führungszirkel (um das Gehörte mal positiv auszudrücken). Das Wahlergebnis sollte hier mehr Offenheit, Diskussion und breite Meinungsbildung und Entscheidungsbildung auslösen: Über die Partei (hier wären wesentlich mehr inhaltliche Diskussion gefragt, der Stadtverband hat in den letzten Jahren diese seine Aufgabe nicht erfüllt), aber auch mit denen, die teilweise mit großem Einsatz dazu beigetragen haben, dass 17 gewählte CSU-Stadträten ihr Ziel erreicht haben. Auch gegenüber der Mitwirkung und des Einflusses der Bürger muss über neue Wege nachgedacht werden. Das dramatisch schlechte Wahlergebnis erfordert das dringend.
| Volkmer | 0 | 7718 | 0,84 |
| Moser | -1 | 7384 | 0,8 |
| Tuchen | 1 | 7028 | 0,77 |
| Schraufstetter | -8 | 6903 | 0,75 |
| Wellner | -1 | 6089 | 0,66 |
| Pammer | 1 | 5904 | 0,64 |
| I. Bauer | -3 | 5085 | 0,55 |
| Heigl | 0 | 4898 | 0,53 |
| Linsmaier | -9 | 4699 | 0,51 |
| Weinbeck | -15 | 4456 | 0,49 |
| Dr. Renker | 0 | 4394 | 0,48 |
| Löhnert | -1 | 4301 | 0,47 |
| Eiberweiser | -16 | 4087 | 0,45 |
| Stern | -10 | 4080 | 0,44 |
| Zacher | 11 | 4062 | 0,44 |
| Wohlhüter | 0 | 3923 | 0,43 |
| Hartmann | -10 | 3918 | 0,43 |
| Mages | 4 | 3885 | 0,42 |
| Dr. Karmann | 10 | 3865 | 0,42 |
| Hahn | 13 | 3653 | 0,4 |
| Dr. Deiml | 1 | 3628 | 0,4 |
| Fink | 7 | 3623 | 0,39 |
| Kagel | 6 | 3617 | 0,39 |
| Tauscher | -2 | 3490 | 0,38 |
| Prof. Dr. Grabmeier | -5 | 3485 | 0,38 |
| Antretter | 5 | 3348 | 0,36 |
| Haberl | 8 | 3205 | 0,35 |
| Schiller | -5 | 2930 | 0,32 |
| Karl | -5 | 2861 | 0,31 |
| Reinheimer | -7 | 2833 | 0,31 |
| Eder | 9 | 2815 | 0,31 |
| Götzer | 4 | 2539 | 0,28 |
| Harant | 2 | 2520 | 0,27 |
| Heidel | -6 | 2355 | 0,26 |
| Kremser | 3 | 2325 | 0,25 |
| W. Bauer | 13 | 2299 | 0,25 |
| Schwankl | 2 | 2199 | 0,24 |
| Baumann | 0 | 1995 | 0,22 |
| Stenglein | 3 | 1897 | 0,21 |
| Wittenbauer | 1 | 1649 | 0,18 |
I
2 Antworten bis hierher ↓
Franz Jakob // 7 März, 2008 um 11:25
Sehr interessant wäre zu erfahren, wieviele persönliche Stimmen jeder Kandidat erhalten hat bzw. wieviele der Stimmen sich aus dem Listenkreuz ergeben.
Da 2 der verlorenen 6 Mandate an die Junge Liste gingen ist der Verlust nicht ganz so groß. Allerdings glaube ich nicht, dass das Wahlergebnis viel mit Landes- oder Bundespolitik zu tun hat. Vielleicht sollte man in einer Parteiversammlung einmal darüber offen reden. Einen klugen Kopf wie Dr. Meiski ziehen zu lassen war halt doch ein Fehler.
Hans Feichtinger // 16 März, 2008 um 11:07
Lieber Johannes,
ich habe mich heute mal aufgemacht, um zu sehen, wie die SPD und vor allem die CSU das Wahlergebnis aufgarbeitet haben. Bei der SPD fand ich wenigstens eine Liste der gewählten Kandidaten vor, verbunden mit einem Dank an die Wähler, bei der CSU: Fehlanzeige! Dies ist schon verwunderlich, wenn man ansonsten das ganze Jahr hinweg mit einer Unmenge von Selbstdarstellungen des Sekundärjournalisten der PNP bombadiert wird. Offensichtlich hat es ihm die Stimme verschlagen, denn auch in seiner Hauspostille herrscht seit drei Wochen Stillschweigen. Was die Wahl selbst betrifft stimmt das Ergebnis hoffnungsvoll, abgesehen von der erschreckend niederen Wahlbeteilung. Denn endlich haben die Bürger wirklich abgestimmt. Es genügt für die Kandidaten nicht mehr nur „dabei“ zu sein! Erstmals haben die Wähler, wie es in guter Kommunalpolitik sein sollte, über die Parteigrenzenen hinweg, ihre Stimme den ihnen würdig erscheinenden Kandidaten gegeben. Dies gilt übrigens für beide Parteien! Deine Analyse ist – in jeder Hinsicht! – Klasse. Sie bringt ein umfassendes Bild und zeigt völlig neue Zusammenhänge auf. Sie ist auch mutig und spricht Dinge offen an, die die nachdenklichen Bürger unserer Stadt – wieder über die Parteigrenzen hinweg – schon lange berührt. Was zählt, ist nicht die oder die andere Partei! Was zählt ist eine Komunalpolitik die offen und ehrlich die Probleme anspricht und zu lösen versucht. Mit Selbstbeweihräucherungen und Selbstdarstellungen werden nur immer neue Gräben aufgerissen.